Hannover. Die Expertinnen und Experten sind sich einig: Es gibt noch einige dicke Bretter zu bohren, um auch Wasserstoff optimal für die Energiewende zu nutzen. Etwa 240 Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Gesellschaft, Politik und Wirtschaft nahmen an den 12. Niedersächsischen Energietagen (NET) teil, die vom Energie-Forschungszentrum Niedersachsen (EFZN) am 5. und 6. November in Hannover ausgerichtet wurden.

„Wasserstoff – Schwergewicht für die Energiewende!“ - diese Aussage stand im Mittelpunkt der zweitägigen Tagung und sollte genau unter die Lupe genommen werden. Die drei Referenten Dr. Alexander Dyck vom DLR-Institut für Vernetzte Energiesysteme e.V., Dr. Tom Smolinka vom Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme und Professor Richard Hanke-Rauschenbach (Leibniz Universität Hannover und EFZN-Vorstandsmitglied) stellten den Stand der Technik und die Perspektiven in den Forschungsthemen Brennstoffzelle, Wasserstoffbereitstellung durch Wasserelektrolyse sowie zum Thema Wasserstoff als Energieträger und Rohstoff dar und warfen Fragen zur anschließenden Diskussion in den vier Fachforen auf: Man müsse weg von fossilen Brennstoffen: Was kann Wasserstoff dazu beitragen? Große Reichweiten und schwere Lasten seien noch immer ein Problem in der Elektromobilität: Was kann Wasserstoff hier tun? Wo hakt es? Wo stecken wir fest und warum? Die Industrie nutze bereits eine Menge Wasserstoff, der mithilfe fossiler Energiequellen gewonnen werde: Lässt sich die Elektrolyse von Wasser nicht auch mit Energie aus erneuerbaren Energiequellen durchführen? Ist „grüner Wasserstoff“ unter der momentanen gesellschaftlichen Akzeptanz überhaupt möglich?

NET-Moderatorin Tanja Föhr machte noch einmal deutlich, was das Ziel dieser Tagung sei: „Wir wollen die dicken Bretter finden, die es noch zu bohren gilt; die harten Nüsse, die noch geknackt werden müssen. Wir wollen kontroverse Thesen, mit denen wir arbeiten können.“

„Klimaschutz und Wirtschaftswachstum schließen sich nicht aus“, hieß es in der Ansprache von Niedersachsens Umwelt-Staatssekretär Frank Doods, der den Schirmherren der NET2019, Niedersachsens Minister für Umwelt, Energie und Klimaschutz Olaf Lies, vertrat. Die Politik sei daran interessiert die Rahmenbedingungen zu schaffen, die dafür nötig seien. Und welche Bedingungen dies unter anderem sein müssten diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Politik und Wissenschaft gemeinsam mit Unternehmerinnen und Unternehmern ganz detailliert in den Fachforen zu Perspektiven, Alternativen und Limitierungen der Wasserstoff-Erzeugung, zu rechtlichen und ökonomischen Rahmenbedingungen der Sektorenkopplung, zur Wasserstoff-Infrastruktur und Logistik sowie zu gesellschaftlichen Fragestellungen. Die Ergebnisse aus jedem Fachforum wurden am zweiten Tag final präsentiert: Symbolisch an dicke Bretter gepinnt.

Auch in Sachen Vernetzung untereinander und der Förderung von Kooperationen, hatte sich das 18-köpfige Programmkomitee der NET, indem Vertreterinnen und Vertreter aus  Ministerien, Wirtschaft und Wissenschaft, gemeinsam die Veranstaltung planen, in diesem Jahr etwas Neues überlegt: In einer so genannten „Blitzlichtrunde“ bekamen zwanzig Projekte aus Niedersachsen zum Thema Wasserstoff die Möglichkeit sich kurz den Teilnehmern und Teilnehmerinnen vorzustellen. So sollte der Anreiz für vertiefende (Pausen-)Gespräche im Rahmen einer Poster-Ausstellung gegeben werden.

Höhepunkt des zweiten Tages stellte die hochkarätig besetzte Abschlussdiskussion „Wasserstoff für die Energiewende – was sind die nächsten Schritte?“ dar. Eingeleitet wurde diese durch Christoph Jugel von der Deutschen Energie-Agentur, der einen Überblick über die „Stakeholder-Konferenz zur nationalen Wasserstoffstrategie“ vom Vortag in Berlin gab. „Um unseren Wohlstand zu sichern, brauchen wir künftig ausreichend klimaschonende Energie zu wettbewerbsfähigen Preisen“, sagte Niedersachsens Minister für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung Dr. Bernd Althusmann. „Ich bin überzeugt, dass wir mit der schrittweisen Einführung von grünem Wasserstoff im Verkehr und in der Industrie diese Herausforderung meistern können. Regenerativer Wasserstoff wird der global strategische Energieträger der Zukunft. Deshalb müssen wir norddeutschen Länder jetzt damit beginnen, gemeinsam eine starke Wasserstoffwirtschaft aufzubauen.“ Wasserstoffeinsatz in großem Maßstab sei der Schlüssel zur nachhaltigen Dekarbonisierung der Stahlindustrie, erklärte Professor Heinz-Jörg Fuhrmann von der Salzgitter AG auf Nachfrage des Moderatoren-Duos Tanja Föhr und Professor Richard Hanke-Rauschenbach. „Die Markteinführung der Wasserstofftechnologien erfordert ein koordiniertes, gemeinschaftliches Vorgehen der Politik, Wissenschaft und Industrie“, betonte Dr. Geert Tjarks von der NOW GmbH. Als Mitglied im Bundestag und Vertreterin der Partei Bündnis 90/Die Grünen erklärte Dr. Julia Verlinden: „Damit grüner Wasserstoff seine tragende Rolle im Energiesystem der Zukunft spielen kann, brauchen wir heute einen massiven Ausbau der erneuerbaren Energien sowie ambitionierte Effizienzanstrengungen, um den Energieverbrauch generell zu reduzieren. Gleichzeitig brauchen wir Instrumente für einen Markthochlauf der PtX-Technologie."

Stellvertretend für das Programmkomitee der 12. Niedersächsischen Energietage zeigte sich EFZN-Geschäftsführer Dr. Wolfgang Dietze in seinem Schlusswort sehr zufrieden mit Ablauf und Resonanz. Insbesondere die Darstellung der Vielzahl von Projekten in der „Blitzlichtrunde“ habe auf beeindruckende Weise belegt, dass Niedersachsen im Sinne des Veranstaltungstitels der 12. NET ein echtes „Wasserstoff-Schwergewicht“ sei. Die verschiedenen Beiträge der Veranstaltung hätten zudem wieder einmal gezeigt, wie wichtig es sei, sich bei der Transformation des Energiesystems gesellschaftsübergreifend über die Ziele einig zu werden und in die gleiche Richtung zu gehen. Elementare Grundlage dafür sei der transdisziplinäre, disziplinübergreifende Dialog, den das EFZN unter anderem mit den Niedersächsischen Energietagen immer wieder anstoßen wolle.

Die ausführlichen Ergebnisse und Empfehlungen der Experten der net2019 werden wie bereits in den Vorjahren in einer Broschüre der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Vorträge stehen in Kürze auf der Homepage des Energie-Forschungszentrums Niedersachsen www.efzn.de zum Download bereit.

 

Ansprechpartnerin:

Anna Heinichen

Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Energie-Forschungszentrum Niedersachsen

Geschäftsstelle

Am Stollen 19 A

38640 Goslar

Telefon: 05321-3816 8097

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