EFZN



Pumpspeicher 2015

Pumpspeicher für die Energiewende

- Spitzentechnologie auf Eis?


3. Pumpspeicher-Tagung des EFZN für transdisziplinären Dialog
26. + 27. November 2015 auf dem Energie-Campus in Goslar

Quelle: Schluchseewerk AG

„Wir sitzen auf einer Menge Energie“, mit diesen Worten eröffnete Prof. Wolfgang Busch die mittlerweile dritte Pumpspeicher-Tagung des EFZN. Diesmal kamen rund 60 Fachleute im Batterietestzentrum auf dem Energie-Campus in Goslar zusammen.

Der Leiter des Instituts für Geotechnik und Markscheidewesen der TU Clausthal ist zugleich der Initiator der zweitägigen Veranstaltung. „Der etwas provokante Titel der Tagung „Pumpspeicher für die Energiewende – Spitzentechnologie auf Eis?“, ist mit Bedacht gewählt“, so Professor Busch. Denn der derzeitige Stillstand bei Pumpspeicherprojekten stehe im Kontrast zu ihrer Funktion als idealer Partner der Energiewende.

Dem stimmte Michael Lindenthal, Leiter der Abteilung Energie, Klimaschutz im Niedersächsischen Ministerium für Umwelt, Energie und Klima in seiner Eröffnungsansprache zu. Das bisherige Geschäftsmodell der Pumpspeicher funktioniere nicht mehr und eine Anpassung der Marktmechanismen sei dringend erforderlich, fasste der Politiker in seiner Rede zusammen. Es ginge sogar soweit, dass Betreiber bestehender Anlagen die Stilllegung anmeldeten, wie zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen. Dennoch dürfe diese Technologie nicht ungenutzt bleiben, da sich so viel Potential dahinter verberge. Eine Möglichkeit sehe er in der Verpachtung der Kapazität der Pumpspeicher an Betreiber von erneuerbaren Energieanlagen oder gar einer Zuordnung von Speichern zum Netz. Dazu bedarf es jedoch eines neuen regulativen Rahmens. Michael Lindenthal berichtete von der Initiative der Landesregierung eben diesen regulativen Rahmen zu prüfen und zu verbessern. Erste Erfolge sind aus der Umweltministerkonferenz zu vermelden. Er appellierte auch an den Teilnehmerkreis der Konferenz aus Wissenschaft und Industrie sich weiterhin für die Spitzentechnologie Pumpspeicher zu engagieren. Bekräftigt wurde dies von Frank Oesterhelweg, dem stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden für Umwelt und Landwirtschaft der CDU-Landtagsfraktion, der ebenfalls die Wichtigkeit von Energiespeicherung für Niedersachsen betonte.

Professor Thomas Hanschke begrüßte die Fachleute in seiner Doppel-Funktion als Präsident der TU Clausthal und als Vorsitzender des neuen EFZN-Aufsichtsrates. Er betonte in seiner Rede, wie wichtig die Pumpspeichertechnologie für ein stabiles Stromnetz sei, da zum Beispiel Wetterschwankungen auf diese Weise ausgeglichen werden könnten. Er verwies auf die lange Tradition in der Nutzung von Wasserkraft als Antriebsenergie in der Bergbau-Region Harz. Neben diesem historischen Bezug seien aber auch aktuelle Erfolge, wie das kürzlich unterzeichnete „Memorandum of Understanding“ zwischen der südafrikanischen North-West University bei Johannesburg und dem EFZN mit Blick auf gemeinsame Forschungsaktivitäten - einem neuartigen Konzept untertägiger Pumpspeicherung, bei dem die Grund- und Grubenwasser-Haushaltung integraler Bestandteil ist - eng verknüpft mit den Themen dieser Konferenz.

Prof. Wolfgang Busch (EFZN/TUC), Herr Michael Lindenthal (MU) und Prof. Thomas Hanschke (EFZN/TUC) bei der 3. Pumpspeicher-Tagung des EFZN

Im weiteren Verlauf der Tagung wurden die aktuellen Herausforderungen für Pumpspeicher im Detail diskutiert. Der regulatorische Rahmen mit Blick auf die vergleichbaren Technologien Power-to-Gas und Power-to-Heat (Oliver Antoni, Stiftung Umweltenergierecht) sowie die Beteiligung von Bürgern (Dr. Maximilian Uibeleisen, Noerr LLP) waren zwei Beiträge aus juristischer Sicht zum Themenkomplex Stromspeicher. Erstaunen gab es darüber, wie einerseits inhomogen Speicher regulatorisch erfasst sind und wie umfassend andererseits die Klagerechte gegen Speicher sind. Dieses Ungleichgewicht, beides jeweils zu Ungunsten von Speichern, stehe im extremen Gegensatz zum eigentlichen volkswirtschaftlichen Nutzen von Energiespeichern. Aufschlussreich waren die Darstellungen von Lars Scharschmidt (Lahmeyer Hydroprojekt GmbH) und Claus Volkening (RWE Power AG), die aus der Projektierung und dem Betrieb berichteten und somit die praktischen Auswirkungen dieser juristischen Lage anschaulich ausführen konnten.

Anhand eines Konzeptes für einen Pumpspeicher untertage in Südafrika, zeigte Friederike Kaiser vom EFZN, welche positiven Effekte mit dieser sauberen Speichertechnologie realisiert werden können – sowohl im Bereich des Ressourcenschutzes als auch in Bezug auf die Wirtschaftlichkeit. Die Diplomingenieurin vertrat Prof. Frank Winde von der "Mine Water Research Group" der North-West University/Südafrika, der kurzfristig absagen musste.

Neu auf dem Programm standen am zweiten Tag der Veranstaltung drei moderierte Workshops. „Der Gedanke war, die Tagung noch etwas interaktiver zu gestalten“, erklärte Friederike Kaiser. Sie organisierte und betreute die Pumpspeicher-Tagung bereits im dritten Jahr. Im Workshop A ging es um „Strommarktdesign – wie kann Stromspeicherung rentabel werden?“. Als Moderator führte Julius Ecke von der enervis GmbH durch das Thema. Mit am Tisch saßen Vertreter der Übertragungsnetzbetreiber, sodass unter anderem der Vorschlag von Michael Lindenthal - Stromspeicher entgegen dem Unbundling den Netzbetreibern zuzuordnen - fundiert diskutiert werden konnte.

„Batterie oder Pumpspeicher – welche Technik braucht die Energiewende?“, mit diesem Thema setzten sich die Teilnehmer in Workshop B auseinander und wurden dabei von Prof. Heinz Wenzel, TU Clausthal und EFZN, unterstützt. Es wurde noch einmal deutlich, wie unterschiedlich die Perspektiven verschiedener Akteure auf diesem Themenkomplex sind. Um eine „Perspektive für unkonventionelle Pumpspeicher – (wie) geht es weiter?“ drehte sich der Workshop C, den Horatio von John, Managing Director bei Gravity Power GmbH, moderierte. Betont wurde die Wichtigkeit von Demonstrationsanlagen, um neue Konzepte greifbar zu machen.

Abschließend wurden die Ergebnisse aus den Workshops allen Teilnehmern vorgestellt und sind in Kürze hier abrufbar. Die ausführlichen Tagungsbeiträge sind bereits zum Nachlesen in der Schriftenreihe des Energie-Forschungszentrums Niedersachsen beim Göttinger Cuvillier Verlag erschienen.

 

Fazit der Veranstalter zur Tagung: Eine gelungene Veranstaltung mit einer gelungenen Mischung aus Politik und Praxis, Wissenschaft und Wirtschaft bei der die bestehenden Herausforderungen deutlich benannt wurden: Die Energiewende gelingt nur, wenn Energiespeicher in der nahen Zukunft einen angemessenen Platz auf dem Energiemarkt erhalten.

Vorträge

Einige Vortragstitel sind als Link ausgeführt und führen zu den jeweiligen Folien des Vortrag.

Donnerstag 26. November

9:30

Registrierung im Batterietestzentrum

10:00

Prof. Wolfgang Busch, Initiator dieser Tagungsreihe (EFZN)

Einstieg und Impulse: Pumpspeicher – Element der Energiewende

Prof. Thomas Hanschke, Präsident der TU Clausthal

Grußworte der Technischen Universität Clausthal

Michael Lindenthal, Leiter Abteilung 5 Energie und Klimaschutz

Grußworte des Niedersächsischen Ministeriums für Umwelt, Energie und Klimaschutz

10:30

Oliver Antoni (Stiftung Umweltenergierecht)

Wettbewerb der Speichertechnologien? – Rechtsvergleich der regulatorischen Rahmenbedingungen der Flexibilitätsoptionen PSW, PtH und PtG

11:00

Dr. Maximilian Uibeleisen (Noerr LLP)

Beteiligung von Bürgern und Umweltverbänden – Herausforderungen in Genehmigungsverfahren für Pumpspeicherkraftwerke

11:30

Kaffeepause

12:00

Frank Oesterhelweg MdL (stellv. Fraktionsvorsitzender für Umwelt und Landwirtschaft der CDU-Landtagsfraktion)

Politische Aussichten für Energiespeicher als Element der Energiewende

12:30

Susanne Frieling, Lars Schaarschmidt
(Lahmeyer Hydroprojekt GmbH)

Planungen zum Wasserspeicherkraftwerk Leutenberg/Probstzella

13:00

Prof. Frank Winde und Ewald Erasmus (Mine Water Re-Search Group, NWU), vertreten durch Friederike Kaiser (EFZN)

Untersuchung zur Nutzung der weltweit tiefsten Schächte als Pumpspeicher in den Goldabbaugebieten Südafrikas

13:30

Mittagsimbiss

14:30

Friederike Kaiser (EFZN)

Der beste Energiespeicher? – Pumpspeicher und die Alternativen

15:00

Blick in die Forschung am Energiecampus:

Batterietestzentrum

Dauerversuche mit kommerziellen Großbatterien

Redox-Flow-Batterien – Blick ins Labor

15:30

Kaffeepause

16:00

Claus Volkening (RWE Power AG)

Anforderungen an den Betrieb von Pumpspeicherwerken


16:30

Prof. Holger Schüttrumpf (RWTH Aachen), vertreten durch Christian Grimm (RWTH Aachen)

Nutzung der Tagebaurestlöcher im niederrheinischen Braunkohlerevier als Pumpspeicherwerk

17:00

Detlef Desler (DIN Deutsches Institut für Normung e.V.)

Normung und Standardisierung von (unkonventionellen) Pumpspeichern

 

Freitag 27. November

9:00

Auftakt und Begrüßung im Batterietestzentrum

Workshop A:

Strommarktdesign – wie kann Stromspeicherung rentabel werden?

Moderation: Julius Ecke (enervis GmbH) http://www.enervis.de/de/
workshops/stromspeicher

Workshop B:

Batterie oder Pumpspeicher – welche Technik braucht die Energiewende?

Moderation: Prof. Heinz Wenzl (TU Clausthal, EFZN) – Impulse aus dem Projekt ESPEN (BMWi, http://www.espen-projekt.de/)

Workshop C:

Perspektive für unkonventionelle Pumpspeicher – (wie) geht es weiter?

Moderation: Horatio von John – Impulse aus der Praxis, http://www.gravitypower.net/

12:00

Vorstellung der Thesen aus den Workshops, zu den Ergebnissen (pdf)

 

 

3. Pumpspeicher-Tagung des EFZN

Danke an alle Mitwirkenden!
Referent Dr. Maximilian Uibeleisen, Noerr LLP
Referent Frank Oesterhelweg MdL, stellv. Fraktionsvorsitzender für Umwelt und Landwirtschaft der CDU-Landtagsfraktion
Bürgerdialog Stromnetz

Kontakt

Energie-Forschungszentrum Niedersachsen

Friederike Kaiser

Am Stollen 19

38640 Goslar

+49 (5321) 3816-8096 (fon)

+49 (5321) 3816-99-8096 (fax)

E-Mail: koordination@psw.efzn.de

 

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