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efzn-Förderung 2026

Krisenfähigkeit des Energiesystems Niedersachsen

Unsere Energieversorgungssysteme sind zunehmenden Belastungen ausgesetzt, die sich nicht mehr hinreichend vorhersagen lassen oder deren Auswirkung nicht vollständig durch vorausschauende Auslegung vermieden werden kann – hierzu gehören Extremwetterereignisse, aber auch Unfälle sowie vorsätzliche terroristische oder kriegerische Angriffe. In solchen Situationen sind resiliente Systeme essenziell. Improvisationsfähigkeit ist neben Robustheit, Anpassungsfähigkeit und Innovationsfähigkeit eine Schlüsselkomponente von Resilienz.

Um die disziplinübergreifende Forschung in diesen drängenden Themenfeldern gezielt zu stärken und belastbare Handlungsoptionen für die niedersächsische Landespolitik zu entwickeln, hat der Vorstand des efzn zum zweiten Mal nach 2022 ein niedersächsisches Förderprogramm aufgelegt. Mit diesem Programm werden von August 2026 bis Januar 2027 fünf durch eine unabhängige Kommission ausgewählte Forschungsprojekte an fünf verschiedenen niedersächsischen Universitäten und Hochschulen gefördert. Hier die unterstützten Vorhaben im Überblick.

Grünes Methanol als Kraftstoff für BHKW-basierte Netzersatzsysteme – Eine Konzeptstudie zur technischen Machbarkeit und Resilienzwirkung

Jade Hochschule Wilhelmshaven | Oldenburg | Elsfleth

Wie lassen sich kritische Infrastrukturen von Energieversorgungssystemen absichern, wie im Zuge eines (großflächigen) Stromausfalles mittels alternativer Systeme abseits des Stromnetzes innerhalb weniger Minuten elektrische und thermische Energie bereitstellen? Zumal dann, wenn zusätzlich die Erdgas-Versorgung ausfällt und häufig für diese Zwecke genutzte Erdgas-Blockheizkraftwerke deshalb nicht genutzt werden können? 

Hier bietet nach Einschätzung von Forschenden der Jade Hochschule grünes Methanol einen vielversprechenden Lösungsansatz. In ihrer vom efzn geförderten Studie soll die technische und systemische Eignung von grünem Methanol als alternativem Kraftstoff für bestehende erdgasbetriebene BHKW-Netzersatzsysteme bewertet werden. Im Fokus steht dabei, inwiefern sich bestehende Erdgasmotoren mittels Modernisierung auf den Betrieb mit Methanol umrüsten lassen, um die Abhängigkeit von leitungsgebundener Gasinfrastruktur im Krisenfall zu reduzieren.

ReKoMi - Resilienz in gekoppelten Mittelspannungsnetzen: leistungs-elektronisch gekoppelte, digitalisierte, zellulare aktive Verteilungsnetze

Technische Universität Braunschweig
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Universität Bremen (als assoziierter Partner)

Vor dem Hintergrund zunehmender dezentraler Erzeugung, steigender Anforderungen an die Netzstabilität und immer stärker digitalisierten Infrastrukturen werden neue Ansätze für Planung und Betrieb von Verteilnetzen immer wichtiger, insbesondere mit Blick auf die Resilienz. Genau hier setzt das gemeinsame Projekt der Technischen Universität Braunschweig, der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg und der Universität Bremen als assoziierte Partnerin an.

In einer Kurzstudie werden die technischen Resilienzpotenziale einer dynamisierten Mittelspannungsgleichstromkopplung für Niedersachsen auf Basis des aktuellen Forschungsstands untersucht. Dabei wird geprüft, wie sich ein zellulares Netzkonzept sinnvoll umsetzen lässt, bei dem die einzelnen Netzzellen miteinander kommunizieren und über Gleichstromübertragung gekoppelt sind. So kann Wirkleistung zwischen den Zellen ausgetauscht werden, während sie in Frequenz- und Blindleistungsfragen weitgehend unabhängig bleiben. Der zellulare Ansatz kann außerdem die Konnektivität erhöhen. Diese gilt als wichtiger Kenngröße für die Bewertung der Resilienz elektrischer Infrastrukturen.
 

Resiliente Binnenschifffahrt Niedersachsen

Technische Universität Clausthal

Um Energiesicherheit herzustellen, bedarf es mehr als der Ausrichtung der Energiesysteme hin auf Dekarbonisierung und Effizienz im Normalbetrieb. Erforderlich sind vielmehr resiliente Strukturen, die auch unter Krisenbedingungen grundlegende Versorgungsfunktionen aufrechterhalten, alternative Pfade erschließen und eine rasche Systemanpassung ermöglichen. 

Wissenschaftler:innen der Technischen Universität Clausthal untersuchen in ihrem Projekt daher, wie die Krisenresilienz des Energiesystems in Niedersachsen durch ein binnenschifffahrtsgestütztes Versorgungskonzept gestärkt werden kann. Und zwar mittels einer systematischen Kopplung von Hafeninfrastruktur, Schiffsantrieben, Wasserstoff- und P2X-Systemen, geothermischer Strom- und Wärmeerzeugung, unterirdischen Speichern sowie digitalen Steuerungsansätzen. Die Binnenschifffahrt wird dabei als Bestandteil regionaler Energieinfrastruktur verstanden, die in Krisensituationen Energietransport, mobile Speicherung, Notversorgung und Systemrekonfiguration unterstützen kann.

Resilienz-Kompetenzen für ein krisenfestes Energiesystem Niedersachsen: Analyse des Kompetenzbedarfs & Entwicklung einer Weiterbildungs-Map

Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

Technische und soziotechnische Lösungen für die Resilienz des Energiesystems werden bereits intensiv erforscht. Notwendige Kompetenzen in Unternehmen, Verwaltung, Politik und Wissenschaft für den erfolgreichen Umgang mit Krisen bei kritischen Infrastrukturen und Energiesystemen sind dagegen bisher kaum systematisch untersucht worden. Auch in der Weiterbildung werden Fragen der Resilienz und Krisenfestigkeit von Energiesystemen bislang kaum aufgegriffen. 

Zu Unrecht, sagen die Forschenden der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Sie untersuchen deshalb in ihrem Projekt den aktuellen und zukünftigen Kompetenzbedarf für eine resiliente und krisenfeste Energieversorgung in Niedersachsen und entwickeln einen systematischen Kompetenzkatalog für unterschiedliche Zielgruppen. Ziel ist es, eine Weiterbildungs-Map für Niedersachsen zu erstellen, die bestehende und neu zu entwickelnde Weiterbildungsangebote systematisiert und Empfehlungen für zukünftige Qualifizierungsprogramme formuliert.

ReWARSiN - Resiliente Wärmeversorgung in Niedersachsen

HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst
Hildesheim/Holzminden/Göttingen

Im Zuge der Energiewende hat die Umstellung von Gas- und Ölheizungen auf emissionsärmere Alternativen wie erneuerbar betriebene Fernwärme oder Wärmepumpen bereits begonnen. Dieser Prozess wird sich in den kommenden Jahren fortsetzen. Mit ihm einher geht eine Verlagerung der bestehenden Abhängigkeit auf die Stromversorgung. 

In ihrem Projekt nehmen Wissenschaftler:innen der HAWK Hildesheim/Holzminden/Göttingen speziell die Resilienz der sich wandelnden Wärmeversorgung in Deutschland in den Blick: Wie lässt sich bei einem mehrtägigen Stromausfall im Winter in Wohnquartieren eine minimale Wärmeversorgung aufrechterhalten? Und: Welche technischen Absicherungsmaßnahmen sind hierfür erforderlich? Betrachtet werden dafür insbesondere leitungsgebundene Fernwärme und dezentrale Wärmepumpen in Verbindung mit Batteriespeichern. Ziel ist es, Betriebsstrategien für den Krisenfall zu entwickelt, analysieren und quantifizieren und so die Resilienz der Wärmeversorgung zu stärken.

efzn-Förderung 2022-2023

Beschleunigung der Transformation des Energiesystems im Spannungsfeld von Energiekrise und Klimaschutz

Der fortschreitende Klimawandel und die Verwerfungen des globalen Energiesystems durch den Krieg in der Ukraine haben in den letzten Jahren deutlich gezeigt, dass die Energiewende so schnell wie möglich vollzogen werden muss, um unser Energiesystem resilient und umweltfreundlich zu machen. Mit einem vom efzn aufgelegten Förderprogramm wurden daher Forschungsprojekte finanziert, die einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet haben, die Transformation des Energiesystems zu beschleunigen. Von Frühjahr bis Herbst 2023 wurden dafür acht Projekte mit großer thematischer Bandbreite an sieben verschiedenen niedersächsischen Universitäten und Hochschulen finanziert.

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