Das efzn bei den Wochen der Wärme: Niedersächsische Wissenschaftler:innen geben Einblicke in die Wärmeforschung im Land
Die Tage werden kürzer, die Blätter bunter, die Abende so langsam kühler: Passend zur bevorstehenden Heizperiode fanden auch in diesem Jahr wieder die Wochen der Wärme statt – und unter dem Dach des Energie-Forschungszentrums Niedersachsen (efzn) stellten Wärmeforschende aus ganz Niedersachsen ihre aktuellen Forschungsvorhaben einem interessierten Publikum vor.
Die Wochen der Wärme sind eine landesweite Kampagne der Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen (KEAN), die in diesem Jahr zum zweiten Mal durchgeführt wurde. Beteiligt waren daran ganz unterschiedliche Partner, etwa aus Wirtschaft, Kommunen und Wissenschaft. Mit dabei auch: das efzn.
An sechs Online-Terminen gaben die Wissenschaftler:innen – darunter auch viele Forschende aus dem Verbundforschungsprogramm TEN.efzn – Einblicke zu Erkenntnissen und Forschungsvorhaben rund um die regenerative Wärmeversorgung der Zukunft. Und das mit großer thematischer Vielfalt:
- Dipl.-Ing. Christian Seidel (TU Braunschweig) präsentierte eine Studie zur Nutzung von Fließgewässern für die Wärmeversorgung. Ein Fazit: In Deutschland lassen sich durch Temperaturentzug aus Fließgewässern bis zu 64 % des nationalen Wärmebedarfs decken. Für die 80 deutschen Großstädte zeigt die Analyse, dass mehr als die Hälfte ihren Raumwärmebedarf sogar vollständig über dieses aquathermische Potenzial decken kann.
- Prof. Dr. Erik Bertram (HAWK) präsentierte Ergebnisse des Projekts TrawoKat zu Wechselwirkungen zwischen Gebäudedämmung und Wärmepumpeneffizienz bei typischen niedersächsischen Wohngebäuden. Die Simulationen zeigen konkret, wie stark Dämmmaßnahmen die erforderliche Heizungsvorlauftemperatur senken und so eine klimaneutrale Wärmeversorgung mit Wärmepumpen ermöglichen können.
- Franziska Bockelmann, Ann-Kathrin Dreier (beide siz energieplus) sowie Fynn Linnenbrügger und Jonas Hielscher (TU Braunschweig) diskutierten gemeinsam mit Teilnehmenden aus dem Bau- und Energiebereich praxisnahe Lösungsansätze zur Anbindung und Leitungsführung von Wärmepumpen in bestehenden Mehrfamilienhäusern. Die Vortragenden, die im Rahmen der TEN.efzn-Forschungsplattform Wärme einen neuen modularen Wärmepumpentyp entwickeln, erörterten technische Herausforderungen beim Erzeugertausch und holten für die weitere Forschungsarbeit wertvolles Feedback vom Teilnehmerkreis ein.
- Prof. Dr.-Ing. Lutz Meyer (Hochschule Hannover) beleuchtete die Potenziale von Wärmepumpen zur Bereitstellung industrieller Prozesswärme bei Temperaturen von 100 °C bis über 1000°C. Er erörterte nuanciert die Frage, ob Wärmepumpen eine Option für diese Anwendungsgebiete darstellen und ob es schon kommerzielle Lösungen gibt.
- Das Forschungsteam um Prof. Dr.-Ing. Stefan Holler (HAWK) präsentierte in fünf Kurzvorträgen praxisnahe Werkzeuge für eine gelungene Wärmewende. Die Themen reichten dabei von einem Energieplanspiel über Abwasser-Abwärmekartierung und einem Wärmenetz-Optimierungstool bis hin zu Untersuchungen zur Stromausfall-Resilienz von Fernwärme und Wärmepumpen und Transformationspfaden auf Basis integrativer Modelle der Wärmeversorgung, -verteilung und -nutzung.
- Dr. Arne Dittrich (ISFH) betrachtete in seinem Vortrag die Potenziale von Hochtemperatur-Wärmepumpen zur Dekarbonisierung der industriellen Prozesswärme bei Temperaturen bis zu 200 °C. Er fokussierte dabei insbesondere auf Faktoren für einen effizienten und wirtschaftlichen Betrieb – sowohl auf die Investitions- als auch die Betriebskosten sowie die potenziellen Erlöse, die durch die Teilnahme an Energiemärkten generiert werden können. Arne Dittrich und seine am Vortrag beteiligten Kollegen forschen ebenfalls im Rahmen der Forschungsplattform Wärme des TEN.efzn-Programms.
Erstmals wurde das efzn-Angebot für die Wochen der Wärme auch durch eine eigens dafür organisierte Präsenzveranstaltung ergänzt – den Thementag „Geoenergie im Dialog“ der TU Clausthal, veranstaltet von Prof. Dr. Philip Jaeger und Teammitgliedern der TEN.efzn-Forschungsplattformen Geoenergie und Wärme sowie der efzn ACADEMY.
Thementag Geoenergie im Dialog in Celle:
Austausch und frische Impulse für die Wärmewende
Für Freitag, den 25. September 2026, luden die Forschungsplattformen Geoenergiesysteme und Wärme sowie die efzn ACADEMY aus dem Forschungsprogramm TEN.efzn im Rahmen der Wochen der Wärme zum Thementag „Geoenergie im Dialog“ am Drilling Simulator Celle ein. Zwar fand sich eine eher kleine Runde zusammen, was der Diskussionsfreudigkeit der Teilnehmenden jedoch keinerlei Abbruch tat – im Gegenteil: An dem sonnigen Herbsttag entwickelte sich von Beginn an ein intensiver und lebhafter Austausch zwischen Experten aus Wissenschaft, Praxis und betroffener Öffentlichkeit.
Von Tiefengeothermie bis zu urbanen Wärmequellen
Bereits zur Begrüßung und Einführung durch Prof. Dr. Philip Jaeger stiegen die Anwesenden direkt in die Materie ein. Im Fokus stand die Rolle der Tiefen- und Oberflächengeothermie für die Wärmewende sowie die spezifischen Herausforderungen, vor denen Kommunen aktuell stehen.
Die anschließenden Impulsvorträge lieferten konkrete Lösungsansätze aus der aktuellen Forschung:
Dr. Federico Giovannetti (ISFH) beleuchtete innovative Wärmequellen für Wärmepumpensysteme im urbanen Raum. Neben Beispielen wie thermisch aktiven Gebäudehüllen (etwa eine Pilotanlage in Pforzheim mit solaraktiven Betonfassaden und Erdsonden) stellte er ein Pilotprojekt aus Hameln vor, das zeigt, wie die Kopplung von PVT-Anlagen und Erdwärmekollektoren Wärmepumpen effizient ergänzen kann.
Abhishek Verma (TU Clausthal) widmete sich der Netzintegration von Großwärmepumpen und verdeutlichte, wie deren betriebswirtschaftlich intelligente Einbindung im Netzbetrieb gelingen kann.
Yousra El Bouhlali (TU Clausthal) ordnete die Ökonomie der Wärmewende aus der Vogelperspektive ein. Sie spannte einen Bogen von den aktuellen politischen Rahmenbedingungen bis hin zu Zukunftsszenarien – vom „Weiter wie bisher“ bis zur europäisch integrierten Wärmewende – und verdeutlichte, dass die wesentlichen Hürden weit über reine Technologiefragen hinausgehen.
Fokus auf Investitionen und Praxisbezug
In der anschließenden Diskussion standen vor allem die realen Investitions- und Folgekosten für die Transformation des Wärmesektors im Mittelpunkt. Die Teilnehmenden setzten diese in Bezug zu den immensen jährlichen Aufwendungen, die der fortlaufende Einkauf fossiler Energieträger mit sich bringt. Auch das Thema Planungssicherheit wurde intensiv diskutiert.
Die Komplexität der Umsetzung von Geothermie wurde in der Podiumsdiskussion deutlich und ergibt sich u.a. aus der Tatsache, dass die kostenintensive Erstellung von Wärmenetzen Bestandteil eines erfolgreichen Projektes ist. Die gesellschaftlichen Herausforderungen der Wärmewende gehen über die Akzeptanz durch Bürger:innen hinaus und betreffen insbesondere auch kommunale Entscheidungsprozesse, etwa bei der Priorisierung von Quartieren, sowie den Aufbau professioneller Strukturen zur Unterstützung gemeinschaftlicher Wärmeversorgung.
Im Anschluss an das Vortragsprogramm und die Podiumsdiskussion zur kommunalen Wärmeplanung bot das Networking im und vor dem Drilling Simulator Celle den passenden Rahmen, um die Gespräche in entspannter Atmosphäre zu vertiefen und neue Kontakte zu knüpfen.
„Als Fazit lässt sich schließen, dass bereits einiges an fachlichem Wissen für den Einsatz von Erdwärme und die Kopplung mit anderen Formen der Wärmegewinnung besteht“, resümiert Prof. Dr. Philip Jaeger. „Zur Entfaltung der notwendigen Dynamik ist jedoch die konstruktive Zusammenarbeit von allen beteiligten Akteuren notwendig. Vor allem besteht der Wunsch, dass sich die Politik bei diesem komplexen Thema stärker einbringt und sich an Veranstaltungen dieser Art beteiligt.“
efzn ACADEMY stellt sich vor
Die Wochen der Wärme-Events wurden auch genutzt, um die efzn ACADEMY als innovative Bildungsallianz niedersächsischer Hochschulen vorzustellen. Ziel der von der ACADEMY angebotenen praxisnahen Weiterbildungen ist es, neueste wissenschaftliche Erkenntnisse für die Transformation des Energiesystems nutzbar zu machen.
Als Teil des Forschungsprogramms TEN.efzn widmen sich die ACADEMY-Angebote interdisziplinär den Herausforderungen der Transformation unseres Energiesystems – sie adressieren Themen wie Energiewende in Kommunen, Geoenergie, Wasserstoff, Wärmepumpen und digitalen Energiesystemen. Erste Kurse dazu beginnen im Herbst/Winter 2026. Weitere Weiterbildungen zu Themen wie Energie Challenge, Wasserstoff-Strategie-Management und Offshore-Windenergie sind in Vorbereitung.
Bei den Wochen der Wärme wurden insbesondere die bald startenden Angebote mit Fokus auf Wärmeversorgung und Wärmewende in den Vordergrund gestellt. Mehr Informationen zu diesen Angeboten und der efzn ACADEMY generell gibt es unter: www.efzn-academy.de
Über die Wochen der Wärme
Mit über 230 Veranstaltungen in 40 Regionen Niedersachsens erreichten die Wochen der Wärme, die vom 1. September bis 10. Oktober liefen, auch in diesem Jahr laut KEAN tausende Menschen. Unter dem Motto „Wärme, die sich rechnet!“ informierte die Kampagne viele interessierte Teilnehmende über konkrete Umsetzungsmöglichkeiten der klimafreundlichen, bezahlbaren und zukunftsfähigen Wärmeversorgung.
Mit über 230 Veranstaltungen in 40 Regionen Niedersachsens erreichten die Wochen der Wärme, die vom 1. September bis 10. Oktober liefen, in diesem Jahr laut Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen (KEAN) tausende Menschen. Bild: © KEAN