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Öffentliche Erklärung des efzn-Vorstandes zur aktuellen energiepolitischen Situation

1. Juli 2026

Aktuell zeigt sich einmal mehr, dass Fragen nach der Sicherheit der Energieversorgung zentrale Fragen für die gesamte Gesellschaft sind. War es 2022 der russische Angriff auf die Ukraine, der deutlich gemacht hat, wie relevant der Zugang zu bezahlbarer Energieversorgung ist – und wie sehr sich die Kontrolle des Zugangs zu Erdöl und Erdgas in Konflikten als Druckmittel eignet – ist es heute, im Jahr 2026, die Blockade einer globalen Versorgungsader in der Straße von Hormus durch den Iran.

Einmal mehr stellen infolgedessen massiv gestiegene Energiepreise unsere Gesellschaft vor große Herausforderungen. Sie wirken sich auf Wirtschaft und Arbeitswelt aus und verschärfen soziale und materielle Ungleichheiten. Zugleich wächst das Misstrauen der Bevölkerung gegenüber Politik und Wissenschaft. Kritische Stimmen gegenüber einer nachhaltigen und zukunftsfesten Energiepolitik werden lauter. Diese Entwicklung betrachtet das Energie-Forschungszentrum Niedersachsen (efzn) aus seiner langjährigen Kompetenz im Bereich disziplinübergreifender Energieforschung mit großer Sorge. 

Es gibt zahlreiche aktuelle energiepolitische Herausforderungen und es gibt ebenso viele Bemühungen, Lösungen zu finden. So fokussiert die Hightech-Agenda als zentrales forschungspolitisches Vorhaben der Bundesregierung auf die Energieforschung in mehreren Feldern: Batterieforschung gehört beispielsweise ebenso dazu wie die erneuerbaren Energien und die Wasserstoffforschung. Ein „zielorientiertes und technologieoffenes Energieforschungsprogramm“ soll entstehen und die Bereiche Strom, Wärme, Wasserstoff und Energiesystem abbilden. Mittels Innovationen für die Energiewende sollen Systemkosten gesenkt, Abhängigkeiten reduziert und die Resilienz des Energiesystems gestärkt werden.

Gerade die letzten beiden Punkte – der Abschied von neuen und bestehenden Abhängigkeiten sowie die Stärkung der Resilienz des Energiesystems – sieht das efzn als zentrale, aktuelle Herausforderungen der Energieforschung. Für eine sichere, unabhängige und bezahlbare Energieversorgung für die Zukunft sind aus Sicht des efzn der Ausbau der Erneuerbaren Energien und der Netzausbau von zentraler Bedeutung. Hierdurch lässt sich die Abhängigkeit von Öl- und Gasimporten nachhaltig und bezahlbar verringern.

Dabei benötigt insbesondere der Netzausbau mehr Schwung, denn er ist unverzichtbar für die Elektrifizierung von Industrie und Wärmeversorgung, für E-Mobilität, für Wind- und Solarparks sowie Rechenzentren – also für alle neuen elektrischen Verbraucher. Verzögerungen im Bereich der Energieforschung – so soll das neue, eigentlich für 2025 angekündigte Energieforschungsprogramm der Bundesregierung jetzt erst Anfang 2027 fertig sein – sind mit Blick auf diese dringend benötigte Weiterentwicklung als Grundlage für ein unverzichtbares, resilientes und klimafreundliches Energiesystem kritisch.

Einfache, schnelle und kostenneutrale Lösungen für die oben dargestellten, weitreichenden Transformationen gibt es aus wissenschaftlicher Sicht leider nicht. Aber in Niedersachsen ist der Anfang gemacht: An den Lösungen für eben jene komplexen Herausforderungen der Transformation des Energiesystems arbeiten niedersächsische Wissenschaftler:innen disziplinübergreifend erfolgreich im efzn zusammen.

Im derzeit vom Land Niedersachsen und der VolkswagenStiftung aus dem Programm zukunft.niedersachsen geförderten Forschungsprogramm TEN.efzn wird die technisch-naturwissenschaftliche Energieforschung mit der sozialwissenschaftlichen Transformationsforschung systematisch verschränkt. Denn die Energiefrage ist eine soziale Frage, in der sich gesellschaftliche Konflikte, aber auch neue Chancen für mehr Nachhaltigkeit und Zusammenhalt bündeln. 

Im Rahmen der Energieministerkonferenz (EnMK) auf Norderney haben das efzn, die Leibniz Universität Hannover, das ISFH – Institut für Solarenergieforschung Hameln und das DLR-Institut für Vernetzte Energiesysteme zudem Kernergebnisse der Studie SCOPE.efzn vorgestellt. In der vom Niedersächsischen Umweltministerium in Auftrag gegebenen und vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur geförderten Forschungsarbeit wurden nationale Leitstudien zur Klimaneutralität 2045 systematisch analysiert. Diese Analyse, verbunden mit einem eigens entwickelten Referenzszenario, kann als Grundlage für die Ableitung von Handlungsoptionen für energiepolitische Entscheidungsprozesse dienen. Die Veröffentlichung des Abschlussberichts erfolgt in Kürze.

Um darüber hinaus die disziplinübergreifende Forschung zum aktuellen Thema „Krisenfähigkeit des Energiesystems Niedersachsen“ gezielt zu stärken und belastbare Handlungsoptionen für die niedersächsische Landespolitik zu entwickeln, hat der Vorstand des efzn kürzlich ein niedersächsisches Förderprogramm für „kleine, agile Projekte“ aufgelegt. Dieses stieß, wie bereits der diesjährige efzn-Forschungsworkshop zum gleichen Thema, auf großes Interesse. Die eingereichten Konzepte sind sehr vielversprechend und werden zu einem späteren Zeitpunkt durch das efzn ausführlich vorgestellt. 

Das efzn steht damit jetzt und künftig ganz praktisch dafür ein, mit der niedersachsenweiten Expertise der Forscher:innen aus unterschiedlichsten Disziplinen einen Beitrag zu den aktuellen Herausforderungen der Energiewende zu leisten – innerhalb der Wissenschaft, beratend im Dialog mit der Politik und als Ansprechpartner für alle Bereiche der Gesellschaft. 

Der efzn-Vorstand

Prof. Dr. Sebastian Lehnhoff

Vorstandssprecher des efzn

Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

Prof. Dr.-Ing. Bernd Engel

Stellvertretender Vorstandssprecher des efzn

Technische Universität Braunschweig

Prof. Dr. Friedrich Dinkelacker

Leibniz Universität Hannover

Prof. Dr.-Ing. Ines Hauer

Technische Universität Clausthal

Prof. Dr. Berthold Vogel

Soziologisches Forschungsinstitut Göttingen (SOFI)
an der Georg-August-Universität

Kontakt

efzn-Geschäftsstelle

Telefon: +49 5321 3816 8002
E-Mail: geschaeftsstelle@efzn.de

 

 

 

Fotos des Vorstands: © OFFIS | Christian Wyrwa | efzn | TU Clausthal | HIS / Michael Zapf