Das EFZN ist ein gemeinsames wissenschaftliches Zentrum der Universitäten Braunschweig, Clausthal, Göttingen, Hannover und Oldenburg.

An den Universitätsstandorten werden die Forschungsaktivitäten unter Heraushebung eigener Schwerpunkte in inneruniversitären Forschungsverbünden – den „Energieforschungsknoten“ – koordiniert. Disziplinübergreifend arbeiten Forscherinnen und Forscher aus den Ingenieurwissenschaften, den Naturwissenschaften und den Gesellschaftswissenschaften im EFZN zusammen. Zentrales Fundament der Kooperation der fünf beteiligten Universitätsstandorte ist ein systemischer, transdisziplinärer Forschungsansatz und darauf aufbauend die Abstimmung einer gemeinsamen Energieforschungsagenda im Land Niedersachsen.

Nationale und internationale Verbundforschung wird in den EFZN-Forschungslinien und -Querschnittsforschungsbereichen „Solarenergie", „Windenergie“, „Vernetzte Energiesysteme / Sektorenkopplung“, „P2X-Technologien“, „Materialwissenschaften“ und „Gesellschaftswissenschaften“ betrieben. 

Neben der Entwicklung und Durchführung von gemeinsamen Forschungsarbeiten stellt das EFZN eine dauerhafte Vernetzungs- und Kommunikationsplattform der beteiligten Universitätsstandorte dar. Dabei bleibt die Vernetzung der Akteure nicht auf die wissenschaftliche Sphäre begrenzt. Vielmehr gilt es, auch die Bereiche Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft in die Diskussionsprozesse zu integrieren, um transdisziplinär umsetzbare Lösungen bei der Transformation des Energiesystems zu entwickeln. Um den erforderlichen Austausch zu aktuellen Fragen der Energieforschung sicherzustellen, führt das EFZN gemeinsam mit seinen Partnern zahlreiche Fachveranstaltungen durch.

Ziele, Wünsche und Visionen für das EFZN: Statements der Vorstandssprecher

Wie sollte die standortübergreifende Zusammenarbeit im EFZN aussehen? Welche Ziele werden verfolgt? Welche strategischen Aktivitäten angestrengt? Lesen Sie hier, wie die jeweiligen EFZN-Vorstandssprecher diese Fragen – beginnend bei der Gründungsidee 2006 bis hin zu aktuellen Zielsetzungen – beantwortet haben:

Professor Richard Hanke-Rauschenbach

EFZN-Vorstandssprecher seit November 2019

 

In meiner Vision besteht das EFZN aus drei großen Säulen:

1. Das EFZN als inspirierender Vernetzungs- und Denk-Ort, an dem innovative und gesellschaftlich relevante wissenschaftliche Ideen entstehen und gemeinsam in entsprechenden Projekten umgesetzt werden.

2. Das EFZN als Organisator von Diskursen zu aktuellen Fragen im Kontext der Energiewende, in deren Rahmen diesbezügliche Fakten zusammengetragen, Lösungen erarbeitet und Chancen für Niedersachsen identifiziert werden.

3. Das EFZN als wichtiger Ansprechpartner für das Thema Energieforschung in Niedersachsen und Vermittler zwischen allen Interessenten innerhalb und außerhalb Niedersachsens und den aktiven Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern.

Professor Hanke-Rauschenbach ist Inhaber des Lehrstuhls für Elektrische Energiespeichersysteme am Institut für elektrische Energiesysteme (IfES) der Leibniz Universität Hannover. Foto: © EFZN

Gegenwärtig arbeiten wir in EFZN-Vorstand und -Geschäftsstelle an einer Schärfung der strategischen Ziele des EFZN und der zugehörigen Maßnahmen. Hierbei gilt es in der Innensicht, einerseits die natürliche Autonomie der Mitgliedsuniversitäten und der beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mitzudenken und andererseits übergeordnete Ziele und Wünsche der Landesregierung und anderer „Shareholder“ zu berücksichtigen.

In der Außensicht beziehungsweise genauer gesagt in der Außenwirkung kommt es darauf an, sinnvolle Beiträge für den weltweit vonstattengehenden Umbau unseres Energiesystems hin zur Nutzung erneuerbarer Energien zu ermöglichen. Besonders reizvoll und wichtig ist es dabei, neben der Ausarbeitung konkreter technischer Lösungen auch immer die gesellschaftspolitische Dimension der Energiewende im Blick zu haben. Für beide Aspekte sind wir im EFZN gut aufgestellt.

Professor Carsten Agert

EFZN-Vorstandssprecher von Oktober 2017 bis Oktober 2019

Professor Agert ist Direktor des DLR-Instituts für Vernetzte Energiesysteme und Professor für Energietechnologie an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Foto: © DLR

„Als wir das EFZN im Jahr 2015 in ein gemeinsames wissenschaftliches Zentrum der fünf beteiligten Universitäten umwandelten, nahmen wir zunächst eine landesweite Bestandsaufnahme der Themen und Akteure in der Energieforschung vor. Auf dieser Basis gaben wir dem EFZN eine neue inhaltliche Struktur, die als sogenannte EFZN-Forschungslinien wiederzufinden sind. Innerhalb dieser Struktur haben wir uns für die kommenden Jahre viel vorgenommen: Wir wollen die Vernetzung der fünf EFZN-Standorte erhöhen, gemeinsame Projekte initiieren und die niedersächsische Energieforschung als Ganzes sichtbarer machen – national genauso wie international. Darüber hinaus streben wir an, den Dialog zwischen Forschung, Gesellschaft und Wirtschaft durch attraktive Tagungsformate zu bereichern. Wer für eine bestimmte Fragestellung einen Ansprechpartner in der niedersächsischen Energieforschung sucht, soll das EFZN als die zentrale Plattform wahrnehmen, die kompetente und umfassende Antworten gibt sowie den Kontakt zu den ausgewiesenen Experten an den Mitgliedshochschulen herstellen kann.

Niedersachsen hat das Potenzial, das Energieland Nr. 1 zu sein. Es geht uns darum, unser Bundesland dabei zu unterstützen, national und international entsprechend erfolgreich zu sein.

Gemeinsam mit meinen Vorstandskollegen werde ich mich dafür einsetzen, dass wir als niedersächsische Energieforscher eine starke und selbstbewusste gemeinsame Identität entwickeln. Wenn uns das gelingt, sollten wir in zehn Jahren national und international als leistungsfähiges Netzwerk bekannt und geschätzt sein. Ich bin optimistisch, dass wir das hinbekommen.“

Professor Hans-Peter Beck

EFZN-Vorstandssprecher von Januar 2008 bis Oktober 2017

 

„Den  Impuls  zum  Aufbau  des  EFZN gab im Jahre 2006 die Frage, die ich im Rahmen eines Antrags zur Entsorgung hochradioaktiven Abfalls im Rahmen der Exzellenzinitiative der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) beantworten sollte. Die Frage lautete: „Wie organisieren Sie Transdisziplinarität?“.

Nachdem ich mir den Unterschied zu der bekannten Interdisziplinarität und der neuen transdisziplinären Forschungsmethode klar gemacht hatte, wurde mir schnell bewusst, dass transdisziplinäre Forschung zukünftig für alle gesellschaftlich hoch relevanten Fragestellungen wie Klimaschutz, Gesundheit usw., also auch zur Klärung der nachhaltigen Energieversorgung, relevant sein würde. Dies bestätigten dann auch die Gutachter des EFZN-Antrages zu einem universitären, niedersächsischen Energieforschungszentrum in Goslar, der, wie bekannt, genehmigt wurde.

Professor Beck ist Direktor des Instituts für Elektrische Energietechnik und Energiesysteme (IEE) an der Technischen Universität Clausthal. Foto: © TU Clausthal

Das wichtigste Ereignis während meiner Amtszeit war für mich die im Jahre 2016, also 10 Jahre nach Entstehen der Gründungsidee, vom Wissenschaftsministerium in Niedersachsen angeordnete Evaluation des EFZN durch die Wissenschaftliche Kommission Niedersachsen und ihr Ergebnis. Die Gutachter bestätigten uns, dass wir zwar noch nicht transdisziplinär, sondern nur „integrativ/interdisziplinär“ unterwegs sind; wir sollten aber den eingeschlagenen Weg auf der sich im EFZN herausgebildeten Plattform fortsetzen und neben der exzellenten DFG-Grundlagenforschung die inzwischen von der Politik beschlossene Energiewende den betroffenen Menschen auf wissenschaftlicher Basis erklären helfen. Das gehe nach Auffassung der Gutachter nur transdisziplinär.

Die Erfahrungen der letzten Jahre haben mich gelehrt, dass eine Kernfrage lautet, wieviel Kooperation und wieviel Konkurrenz Forschung generell braucht. Aus meiner Sicht sollte es im Fall der Energieforschung etwas mehr Kooperation als Konkurrenz sein, da genug Forschungsthemen und -mittel für alle da sind, und wir viele Fragestellungen nur gemeinsam angehen können. Sollte sich dieses Bewusstsein im EFZN durchsetzen, ergeben sich sehr gute Chancen für die niedersächsische Energieforschung."